Donnerstag, 15. Dezember 2011

Capitation-Modell: Präventionsmodell und Betreuungsansatz

Im Capitation-Modell wird eine Einteilung und Behandlung der Versicherten nach einem Präventionsmodell mit „Risikostatus“ empfohlen.

Einführung in das Präventionsmodell

Das Modell geht davon aus, dass bei bestehenden chronischen Erkrankungen generell vermieden werden sollte, dass die Krankheit weiter fortschreitet und Folgeschäden inkl. dauerhafter Behinderungen hervorgerufen werden (siehe Abbildung unten). Insbesondere stationäre Aufenthalte sollen vermieden werden. Neben frühzeitiger Behandlung, die optimalerweise als definierter Standard vorliegt und im Rahmen einer Versorgung durch kooperierende Partner (Hausärzte, Fachärzte, Krankenhaus, ambulante Therapeuten, etc.) verfolgt wird, kann die konsequente Reduktion von veränderbaren Risikofaktoren die Progression verzögern oder aufhalten. Deutlich wird dieses Prinzip z.B. bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2. Hier ermöglicht eine risikominimierende Lebensführung (Normalgewicht, Diät, Bewegung) sogar den Verzicht auf eine medikamentöse Dauertherapie.

Vorteile des Modells

Das Präventionsmodell in Kombination mit den indikationsspezifischen Clustern (siehe dort) hat eine Reihe von Vorteilen: Mehrwertargumentation für jüngere Versicherte (insbesondere unter 35) und Stärkung der hausarztzentrierten Versorgung durch PräventionFokussierung auf die steuerbaren Erkrankungen und gezieltes Einwirken auf die KostenentstehungOrientierung für die Entwicklung praktikabler Behandlungspfade und einfachere Umsetzung von SteuerungsmaßnahmenMessung der Entwicklung von Ausgaben, Fallzahlen und „Risikostatus“ der Population im ZeitverlaufIdentifikation und Behandlung von Patienten im Praxisbetrieb nach "Risikostatus" Ein zusätzlich unterstützendes Angebot für nahezu alle Patientengruppen ist die Teilnahme an bestimmten Kursen, die auf Risikofaktoren wie Rauchen, Ernährung, Stress, mangelnde Bewegung etc. einwirken (Primärprävention). Diese sollten vermehrt durch Ärzte direkt im Patientengespräch „empfohlen“ werden. Sofern in dem Capitation-Budget die Präventionsleistungen enthalten sind, sind die beteiligten Leistungserbringer selbst dafür verantwortlich, diese Leistungen zu organisieren und zu finanzieren. Dies würde einen Anstieg der Ausgaben für Primärprävention bedeuten, perspektivisch jedoch die deutliche Reduzierung von Folgekosten. Modelle dieser Art sind daher immer langfristig auszulegen.

Umsetzungsschritte

Zunächst erfolgt eine Festlegung von Regeln und Prinzipien zur Einteilung und Behandlung der eingeschriebenen Patienten nach einem Präventionsmodell mit „Risikostatus“ durch das Netz der Leistungserbringer. Schließlich eine Aufbereitung der Daten infrage kommender Versicherten durch die Kasse (Potenzial-bildung). Dann die. Entwicklung einer zielgruppenspezifischen Mehrwertargumen-tation je Patientengruppe (nach Status: Gesund, Erkrankungsbedroht, Krank) durch Leistungserbringer und Kasse. Letztlich die Entscheidung durch die Leistungserbringer, in welchem Umfang in Präventionsmaßnahmen „investiert“ werden kann und sollte.


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