Der DIHK-Präsident ERIC SCHWEITZER sagt in einem Focus-Interview2 einen dramatischen Wohlstandsverlust durch Fachkräftemangel voraus. Die Unternehmen verlieren Gewinn und Marktwert, wenn es nicht gelingt die Leistungsfähigkeit des Unternehmens als Ganzes zu erhalten und auszubauen. Dies funktioniert nur mit Erhaltung der Personalkapazität und dem Ausschöpfen schlummernder Produktivitätspotenziale. Personalmanagement wird zum echten Produktionsfaktor im Unternehmen.
Noch immer ist in unseren Köpfen verankert, dass Innovation und Produktion insbesondere mit einer jungen und dynamischen Belegschaft in Verbindung steht. Richtig ist, dass das Alter es mit sich bringt, dass man anfälliger für bestimmte Erkrankungen wird und nicht mehr alle Tätigkeiten durchführen kann. Aber betrachten wir die andere Seite: Das implizite Wissen und die Erfahrungen, die ältere Mitarbeiter sich in den Jahren aneignen, können junge Mitarbeiter nicht ohne weiteres ersetzen. Ohne Meister gibt es keine Lehrlinge und ohne ältere Mitarbeiter auch keine Experten.
Nicht die Sorge um die zunehmend alternde Belegschaft sollte unser Handeln bestimmen, sondern die Frage wie wir die Leistungsfähigkeit unserer Arbeitnehmer bis zum Ruhestand erhalten können. Unsere Aufgabe ist es die Arbeitsfähigkeit unserer Mitarbeiter zu fördern und zu erhalten - und das durch alle Lebensabschnitte hinweg.
Um den Aspekt der Arbeitsfähigkeit näher erläutern zu können, greife ich auf das „Haus der Arbeitsfähigkeit“ von Juhani Ilmarinen3 zurück. Mit dem Haus der Arbeitsfähigkeit ist ein Konzept entwickelt worden, welches die vier wichtigsten Einflussfaktoren auf die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern definiert und Unternehmen aufzeigt, wo sie ansetzten müssen um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit im Unternehmen langfristig fördern und erhalten zu können.
Das Haus der Arbeitsfähigkeit setzt sich aus vier Stockwerken zusammen: Gesundheit, Kompetenz, Werte und Haltung sowie Arbeit. Diese vier Faktoren haben direkten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmer, welche zusätzlich durch die Faktoren: Familie, das persönliche Umfeld sowie die regionale Umgebung, indirekt beeinflusst wird.4 Gelingt es diese vier Stockwerke zu vereinen, so kann man die Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter langfristig und nachhaltig mobilisieren.
Das Haus der Arbeitsfähigkeit zeigt aber auch, dass gesundheitliche Präventionsmaßnahmen wie Rückenschulungen oder Yogakurse nur in der untersten Etage anzusiedeln sind. Ein Tropfen auf den heißen Stein? In jedem Fall greifen isolierte Maßnahmen zu kurz, die unsere Probleme mit der alternden Belegschaft überbrücken, aber nicht nachhaltig lösen können. Potentiale können nur gehoben werden, wenn alle Einflussfaktoren richtig bedient werden und dazu gehören neben der Gesundheit auch Kompetenzen, Werte und die Arbeitsverhältnisse an sich!
Darüber hinaus können mit höherer Identifikation und Teilhabe schlummernde Produktivitätspotentiale gesteigert werden - so können trotz fortschreitender Alterung und Fachkräftemangel die Produktionsleistung sowie Umsatz und Gewinn weiter wachsen. Lösungen für diese Aufgabenstellungen bietet ein Demographie-Management. Es geht davon aus, dass die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Arbeitnehmern durch gezielte Personalmaßnahmen erhalten und gefördert werden können. Denn der zukünftige Erfolg eines Unternehmens hängt davon ab, ob die Mitarbeiter gesund, qualifiziert und motiviert sind und auch langfristig im Unternehmen bleiben! Arbeitsfähigkeit stellt dabei die grundlegende Voraussetzung dar, um arbeiten zu können, zu wollen und zu dürfen. Sie verändert sich mit dem Alter und muss gefördert werden.
1Öztürk, Asiye (2013): Alternde Gesellschaft. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, S. 2.
2Fokus: Ausgabe 19/13; 6.Mai.
3Tempel, Jürgen; Giesert, Marianne; Ilmarinen, Juhani (2011): Arbeitsleben 2025. Das Haus der Arbeitsfähigkeit im Unternehmen bauen. 1. Aufl. Hamburg: VSA., S.40f.
4Tempel, Jürgen; Giesert, Marianne; Ilmarinen, Juhani (2011): Arbeitsleben 2025. Das Haus der Arbeitsfähigkeit im Unternehmen bauen. 1. Aufl. Hamburg: VSA., S.40f.